Inhalt

Kreativ.Quartier Lohberg auf der Zeche

Kreative Nutzungen hauchen der geschlossenen Zeche Lohberg wieder Leben ein

Was tun mit einer alten Zechenfläche, die etwa so groß wie 370 Fußballfelder und dem Strukturwandel zum Opfer gefallen ist? Ein Areal, das vom Bergbau geprägt wurde. In dem unterschiedliche Räume viele Gebäude, Flächen und Dinge noch von der ehemaligen Nutzung erzählen. In der Kaue findet man in einigen von gefühlten 1000 Spinden noch alte Badelatschen und Bergmannskleidung. Die Kauenkörbe, in denen die Privatkleidung geschützt wurde, sind ebenso noch vorhanden wie Schilder und Möbel aus vergangenen Tagen. Ein Platz zum Entdecken, zum Atmosphäre spüren. Hier wird ruhridentitätsprägende Geschichte erlebbar. Die ehemalige Zeche Lohberg ist ein Ort, der zum Umdeuten und Umnutzen der vorhandenen Raumpotenziale einlädt.

Kreative Nutzungen werden die ehemalige Zeche Lohberg in Zukunft prägen. Ein Kreativ.Quartier wird entwickelt, gemeinsam von der Stadtverwaltung und der Eigentümerin Ruhrkohle RAG Montan Immobilien GmbH. Zwei Standortmanager, GseProjekte und BFM (Büro für Möglichkeitsräume) unterstützen sie hierbei tatkräftig. Die Akteure agieren Hand in Hand in einem offenen Planungsprozess, in dem die Nutzer des Quartiers das Standortimage und die -gestaltung mitbestimmen werden. Lohberg soll sich zum Ort für Trends und Events, zum attraktiven Standort im Besonderen für Unternehmen der Kreativwirtschaftsunternehmen entwickeln. Und das nicht nur für die Stadt Dinslaken, sondern auch für die Metropole Ruhr und sogar weltweit.

Lohberg hat viele Alleinstellungsmerkmale, die es zukünftig Bewerben herauszustellen gilt. Eine städtebaulich attraktive Zechensiedlung im Gartenstadtprinzip. Eine einmalige Freiraumlandschaft zwischen Nachbarschaftstreffpunkten, künstlerisch gestalteten Bergpark mit tollen Landschaftsskulpturen und Sportmöglichkeiten sowie einer vielfältigen und inspirierenden Haldenlandschaft, die in das angrenzende Naturschutzgebiet führt. Und mittendrin denkmalgeschützte Zechengebäude, die den Kern des wachsenden Gewerbeentwicklungsgebiets bilden.

Bereits kurz nach der Schließung der Zeche eroberten Kreative aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Design und Fotografie den spannenden Ort, der seitdem langsam wächst und neue Nutzer anzieht. Ziel ist es, auf Lohberg ein Kreativ.Quartier mit internationalem Bekanntheitsgrad zu entwickeln. Hier sollen Kunstschaffende und Unternehmen aus den Bereichen Verlagsgewerbe, Film- und Rundfunkwirtschaft, Journalismus, Musik, visuelle und darstellende Kunst, Architektur, Designwirtschaft und Einzelhandel mit Kulturgütern geeignete Ansiedlungsmöglichkeiten finden können.

Der Planungsprozess wird bewusst offen, kreativ und beteiligungsintensiv geführt. Bereits in der aktuellen Phase des Wandels, in der das ehemalige Zechengelände von Abriss-, Sanierungs- und Umbauarbeiten geprägt ist, sollen temporäre Bespielungen und experimentelle Möglichkeitsräume dem Ort ein neues Gesicht geben. Der ehemals der Öffentlichkeit unzugängliche Standort soll für die Bevölkerung geöffnet und dieser „verbotene Ort“ wieder in das Stadtleben integriert werden.

Im regionalen Handlungsfeld Kreativ.Quartiere RUHR spielt Lohberg eine Vorreiterrolle. Die international bedeutende Eröffnungsfeier im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 fand auf Lohberg statt. 2010 war Lohberg Drehscheibe der regionalen Veranstaltungsreihe Extraschicht. 2011 geht es international weiter. Als Debattenort wird Lohberg für Zukunftsthemen in der internationalen Fachwelt präsent sein. Innovative Modelle lokaler Ökonomie vor Ort werden entwickelt werden. Verschiedene Veranstaltungen werden die besonderen Räume auf Lohberg in Szene setzen. 

Mit der Umdeutung und Umnutzung Lohbergs kann die Stadt Dinslaken neben den Großstädten in der Metropole RUHR eine wichtige Rolle für den Wandel durch Kultur in Mittelstädten im Ruhrgebiet spielen. Formen neuer nachhaltiger Energiegewinnung werden neben neuen Lebens- und Arbeitsformen hier entwickelt und umgesetzt. Als Möglichkeitsraum bietet Lohberg kreativen Ideen Köpfen einen Ort zur Ansiedlung. Denn auch nach der Zechenschließung muss wird es wirtschaftlich weitergehen.

Mit der Schließung der Zeche Lohberg verlor die Stadt Dinslaken den größten Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb (rund 3.000 Arbeits- und 400 Ausbildungsplätze gingen verloren), was mit erheblichen ökonomischen, städtebaulichen und strukturellen Auswirkungen für den Stadtteil Lohberg und für die Stadt Dinslaken insgesamt verbunden war. Um den absehbaren Auswirkungen durch die Schließung des größten Wirtschaftsunternehmens entgegenzuwirken, begann bereits 2004 die Reaktivierung des Zechenareals in Lohberg mit städtebaulichen, infrastrukturellen, nutzungs- und freiraumbezogenen Maßnahmen und Interventionen zur Zukunftssicherung des Gesamtstandortes unter der Prämisse „Lohberg und die Halde werden EINS“ und der Zielsetzung des CO2-neutralen Stadtteils. Seit 1999 ist der Stadtteil Dinslaken Lohberg im Programm „Soziale Stadt – Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“ aufgenommen. Mit Hilfe dieses Programms wurde seitdem intensiv an dem Image, der sozialen Stabilisierung sowie der städtebaulichen Aufwertung des Stadtteils gearbeitet.

Priorität hatte bei der Entwicklung des Stadtteils zunächst die Wiedernutzbarmachung des Zechengeländes als Kreativ.Quartier Lohberg. Zusammen mit dem Projektpartner RAG Montan Immobilien wurde eine Rahmenplanung entwickelt und auf dieser Basis sowohl die Realisierung von neuen öffentlichen Freiflächen als auch der Rückbau und die Baureifmachung der zukünftig privaten Flächen initiiert. Die öffentlichen Flächen Bergpark und Lohberg Corso sind seit 2015 fertiggestellt, für die die Stadt Dinslaken Fördermittel von Land, Bund und EU akquirieren konnte. Die privaten Flächen in den Bereichen Wohnen und Gewerbe befinden sich in der Vermarktung.

Der Fokus der Entwicklung richtet sich nun auf das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bereiche des Stadtteils. Das Integrierte Handlungskonzept wurde im Jahr 2016 zum dritten Mal fortgeschrieben und vom Rat der Stadt Dinslaken beschlossen. Das Konzept enthält vor allem Maßnahmen aus den Bereichen Städtebau und Energie sowie soziale und integrative Maßnahmen. Es kann hier heruntergeladen werden.

Dazu wurde zum einen das Energiekonzept für das Zechengelände und die Haldenlandschaft für den Stadtteil konkretisiert. Diese Konkretisierung, die durch die InnovationCity Management GmbH erstellt wurde,  enthält detaillierte Aussagen zum Gebäudebestand der Zechensiedlung und zur Struktur der Energieversorgung. Desweiteren werden mögliche Maßnahmen für die Weiterverfolgung des Ziel CO2-neutraler Stadtteil aufgezeigt. Das Konzept kann hier heruntergeladen werden.