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Reformationsjahr 2017

Unterwegs - die Reformation im Land Dinslaken

Hier folgen nach und nach einige Eindrücke verschiedener Exponate der Ausstellung "500 Jahre Reformation im Land Dinslaken".


Alle Originale sind ab dem 10. September und bis zum 19. November 2017 in der Ausstellung im Museum Voswinckelshof zu sehen!

Informationen zur Ausstellung, Texte und Abbildungen finden Sie auf der Homepage www.reformation-dinslaken.de !

Humanismus

Erinnerungsbewegungen - Zu den Erneuerungsbewegungen am Niederrhein zählen Beginen und Begarden, die seit dem 13. Jahrhundert in Deutschland verbreitet

Dinslaken Gasthauskirche Inschrift 1611

Um 1400 entfaltet sich die devotio moderna (lat.: neues Gelübde). Sie ist eine religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb der Kirche, die im Denken der Humanisten und Reformatoren fortwirkt.
Die Klever Humanisten wollen die Einheit der Kirche durch Reformen bewahren. Unter ihrem Einfluss versucht Johann III. von Kleve die Kirchenordnung zu reformieren. Der Kölner Erzbischof dagegen will die Beibehaltung des alten Glaubens noch lange erzwingen.
Der Frömmigkeit der Menschen zeigt sich in frommen Stiftungen und Schenkungen. Entgegen den humanstischen Bestrebungen setzen sich die städtischen Magistrate, geprägt von selbstbewussten Zünften, für die Einführung der Reformation ein. An vielen Orten findet eine Reformation „von unten“ statt. Der Landadel steht der Reformation teilweise aufgeschlossen gegenüber und nimmt in Voerde (Sieberg), in Dinslaken (Palandt) sowie in Gartrop (Hüchtenbruck) für sich das Recht in Anspruch, die Konfessionszugehörigkeit seiner Hintersassen zu bestimmen.

Gelehrte Dinslakener Johannes Scheffer, später Schefferus, geboren um 1560, gestorben 1635, Lutherischer Pfarrer.

Scheffer stammte aus Sachsenhausen in Hessen, das bereits seit 1533 evangelisch war. Seine Ausbildung erhielt er in Korbach, Göttingen und Helmstedt. In Soest wurde er ordiniert, 1609 war er in Wesel Schulmeister und Kantor. 
In der St. Martins Kapelle zu Dinslaken fanden Anfang des 17. Jahrhunderts lutherische Synoden des Herzogtums Kleve statt. Im Zusammenhang mit der Synode von 1610/11 wurde die St. Martins Kapelle den Lutheranern für ihre Gottesdienste überlassen. Dieser Beschluss des Dinslakener Magistrats war vermutlich unter Mitwirkung von Georg von Syberg erfolgt.
Im Januar 1611 wurde Scheffer als Pfarrer nach Dinslaken berufen und hielt seine Einführungspredigt. Das Datum dieses Ereignisses wurde von der Gemeinde durch eine goldene Inschrift auf der Chorwand der Kirche festgehalten. Nachdem die Gemeinde bisher heimlich existiert hatte, waren die etwa 100 Mitglieder froh, ab 1611 ein Gotteshaus und einen Pfarrer zu haben.
Scheffer wird als fleißig, eifrig, klug und theologisch gebildet beschrieben.
Der Magistrat bewilligte ihm 80 Taler, die aus dem St. Georgs Benefizium der Vincentius Kirche stammten. Das Patronat hatten der Bürgermeister und die beiden ältesten Schöffen inne.  Diese Übertragung führte über Jahrzehnte zu Unfrieden zwischen den Konfessionen. Die Stelle finanzierten weitere Spenden des Markgrafen Ernst von Brandenburg und des Grafen Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, der 1618 in Dinslaken übernachtete.
Ein Jahr später, 1612, klagte Scheffer, dass 50 Gemeindemitglieder zu den Calvinisten „abgefallen" seien.
Er schilderte (vermutlich auf einer Synode), wie er die liturgischen Zeremonien vollziehe und dass er keine Einzelbeichte mehr abnehme. Es gebe keinen gemeinsamen Gottesdienst mehr mit den Katholiken.
Schefferus wurde 1624 durch spanisch-katholische Soldaten mehrfach misshandelt und seine Einnahmen wurden ihm gesperrt, sodass seine Familie mittellos war. Die lutherische Gemeinde Wesel und Frau von Sieberg aus Voerde unterstützten finanziell den bedrängten Dinslakener Pfarrer.
Die Spanier schlossen die lutherische Kirche und benutzten sie als Lazarett und als Leichenhaus.
1635 wird Scheffer letztmalig erwähnt. In einem Testament bezeugte er, dass Enneken Kochs und ihre Tochter Barbara vom Schwiegersohn Godert von Weinkamp misshandelt wurden.
Johannes Schefferus starb 75-jährig im Jahr 1635.

Vorabend der Reformation

Xanten Ablassbrief

Die eine Hälfte der Einnahmen diente dem Bau des Petersdoms in Rom, während die andere sich der Erzbischof Albrecht von Brandenburg und der jeweilige Ablassprediger teilten. Der Bischof benötigte die Einkünfte, um den Fuggern seine Schulden zurück zu zahlen.

Tetzel wirkte zwar im Gebiet des Erzbistums Magdeburg, doch kamen zu ihm auch die Wittenberger Bürger, um sich, statt durch Buße, durch Geld von ihren Sünden zu befreien. Martin Luther, Beichtvater vieler Wittenberger, bemerkte dies. Er prangerte den seiner Meinung nach schändlichen Ablasshandel an, da dieser seine Vorstellung von einem sündigen Menschen, der sich wegen schlimmer Taten einem Leben der Demut unterwirft, geradezu verhöhnte. Seine 95 Thesen stehen für den Ausdruck einer tiefgreifenden Enttäuschung und gelten als Auslöser der Reformation. Kurz vor Tetzels Tod schickte Luther ihm einen Trostbrief.

Der Tetzelkasten war der Kasten zum Sammeln der Erlöse aus dem Ablassverkauf. Um die Menschen zum Kauf zu bewegen, ließ Tetzel einen Teufel auf den Kasten malen, der die armen Seelen im Fegefeuer quält.

Xanten Ablasskiste

 

 

 

 

 

 

 

 


Im Herbst des Reformationsjahres 2017 zeigen Stadtarchiv und Museum Voswinckelshof in Zusammenarbeit mit Sepp Aschenbach eine Ausstellung zur Reformation im ehemaligen Land Dinslaken.
Evangelische Stadtkirche in Dinslaken aus dem Jahr 1951

Als im 15. Jahrhundert ketzerisches Gedankengut in Dinslaken Einzug hielt und sich in der Gründung von lutherischen und reformierten Gemeinden niederschlug, beutelten das Land Dinslaken Seuchen, Armut, Brände und Kriegseinwirkungen. Die Ausstellung beginnt mit der kirchlichen Situation im Herzogtum Kleve am Ende des Mittelalters. Am Niederrhein treten schon früh Reformer auf. Schon seit dem 13. Jahrhundert gibt es im Rheinland an vielen Orten Beginen und Begharden, die der Gnadenlehre der Kirche und der Autorität des Papstes kritisch gegenüberstehen. Die Diskussion über eine Erneuerung der Kirche ist in vollem Gange, als Luthers Gedanken um 1520 den Niederrhein erreichen. Als Martin Luther am 31.10.1517 seine 95 Thesen versandte, nahm nichts weniger als ein Weltereignis seinen Lauf. Sie treffen am Niederrhein auf vorbereiteten Boden.

In Wesel gibt es erste reformatorische Ansätze bei Augustinern und Dominikanern. 1535 wird Wesel wird in den Kampf um die Wiedertäufer in Münster hineingezogen. Die Stadt wird zum Vorort des Protestantismus am Niederrhein - zunächst in seiner lutherischen Ausprägung.
Anders als von Wesel wissen wir von den Orten auf dem Lande nur sehr wenig, erst in einer zweiten Welle dringen reformierte Gedanken in die kleinen Orte des Landes Dinslaken. Zu Katholiken und Lutheranern tritt eine dritte Konfession, die Reformierten.
1610 treffen sich Vertreter der reformierten Gemeinden der Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg in Duisburg zur ersten reformierten Generalsynode am Niederrhein. Dennoch: das Kirchenwesen im Herzogtum bleibt aber überwiegend katholisch. Mit 75 % bilden die Katholiken die Mehrheit. Sie leben mit Lutheranern und dann Reformierten an einem Ort zusammen. Es entsteht, anders als in den meisten Gebieten des Deutschen Reiches, ein konfessionelles Mischgebiet. Man spricht von der „Klever Toleranz".

Schlimme und verworrene Zeiten brechen im späten 16. Jahrhundert an. Für Reformierte wie für Lutheraner beginnt eine Zeit der Unterdrückung. Gemeindeglieder verstecken sich. Es ist die Zeit der „heimlichen Gemeinden", die sich in Privathäusern, oder auf Dachböden treffen. So treffen sich die Lutheraner auf dem Boden des Steckenhofes, heute Voswinckelshof. 1609 kommt es zwischen Niederländern und Spaniern zu einem vorläufigen Waffenstillstand. Die evangelischen Gemeinden, Lutheraner und Reformierte, befinden sich auf einem Tiefpunkt.
Im gleichen Jahr ist das Klevische Herrscherhaus ausgestorben. In der Folge ergibt sich für Lutheraner und Reformierte in Dinslaken im Jahre 1611 die Möglichkeit, anerkannte Gemeinden zu bilden.
Die Tradition der Klever Toleranz und sicher auch die Absicht der Kurfürsten, später der Könige, alle Konfessionen gleich zu behandeln, ermöglicht letztendlich das Zusammengehen der beiden protestantischen Richtungen. Die Gegensätze von 1612 verlieren an Bedeutung. Der Unionsaufruf des Königs Friedrich Wilhelm II. vom September 1817 findet ein williges Echo. Auch in den anderen Gemeinden des Kirchenkreises kommt es zur Union von Lutheranern und Reformierten.

Die Rheinische Kirche ist heute eine Kirche der Union, in der es nur noch wenige ausgesprochen lutherische oder reformierte Gemeinden gibt. Im Kirchenkreis Dinslaken sind heute alle Gemeinden uniert.

Diese in groben Zügen dargestellte Entwicklung finden sich in der Ausstellung, die vom 10.9.2017 bis zum 19.11.2017 im Museum Voswinckelshof zu sehen sein wird. Zahlreiche Exponate und Dokumente belegen und verdeutlichen den Verlauf der Reformation im Raum Dinslaken. Wir danken an dieser Stelle Herrn Sepp Aschenbach für die intensiven Vorbereitungsarbeiten für die Ausstellung. Ein Rahmenprogramm von Lesungen, Führungen sowie museumspädagogische Angebote begleiten die Ausstellung.